Das Treffen Junger Bergsteiger 2006
Nach dem verregneten Klettertreffen 2005 wurde das Treffen
auch in diesem Jahr bei unterschiedlich starker Bewölkung
von Regenfällen und abnehmenden Temperaturen begleitet.
Nach
Anmeldung aller Mannschaften fanden am Donnerstag im Burggarten
und am Wandfuß der Burg die technischen Überprüfungen
(Halten eines Sturzes, Standplatz, Schlingen und Knoten)
für die Mannschaften in den Altersklassen I bis IV
statt. Für die Altersklasse V bestand die Schwierigkeit
vor allem in der kombinierten Station "Bergunfalldienst"
und "1.Hilfe". Der Verletzte (Hängetrauma,
) war dabei aus einem Überhang zu bergen und
anschließend richtig zu versorgen. Die Kampfrichter
bewiesen trotz Regen und Kälte an allen Stationen viel
Geduld und Durchhaltevermögen.
Aufgrund der Wetterlage musste das für den Freitag
geplante Klettern in der Sächsischen Schweiz leider
abgesagt werden. Mit der Kletterhalle "XXL - Die Wand"
stand jedoch eine "Regenvariante" bereit, die
erstmalig und mit Erfolg durchgeführt wurde, auch wenn
bei einigen Details sicher organisatorische Verbesserungen
notwendig sind. Alle Teilnehmer kletterten ihren Pflichtweg
sowie 3 Wege in selbst gewählten Schwierigkeiten.
Auch der Sonnabend wurde von teilweise heftigen Regenschauern
begleitet. Wiederum mussten die Kampfrichter viele Stunden
mit Regen- und Daunenjacken an den verschiedenen Stationen
ausharren. Bis zum Abendessen hatten alle Mannschaften die
Verletzten versorgt (1.Hilfe) alle Posten gefunden (Orientierungswanderung)
und beim "Kletterführerlesen" ihre Kreativität
gezeigt. Leider war für die Teilnehmer der Altersklasse
V auch an diesem Tag das Klettern (wetterbedingt) nicht
möglich, sodass sie nach den Stationen "Flaschenzug"
und "Schlingen legen" ebenfalls an der Wanderung
teilnahmen.
Der Abschlussabend begann mit tollen Kulturbeiträgen
und einem spannenden Wettstreit um den "Goldene Tommy",
der wieder an die Ulmer ging. Nach der Siegerehrung der
Mannschaften wurde bei Musik von "Flowing Tide"
getanzt und gefeiert, bevor der Abend zu später Stunde
im Burgkeller endetet.
Das Treffen Junger Bergsteiger 2001
Das letzte Treffen war ein voller Erfolg. Nicht zuletzt
weil Petrus uns sehr gnädig war und super Wetter bescherte.
Es gab einen Teilnehmerrekord von 180 Teilnehmern. Damit
ist das Limit erreicht. Mehr Teilnehmer und Betreuer kann
die Burg nicht aufnehmen und die Natur nicht verkraften.
Wir freuen uns immer wieder über den großen Zuspruch
des Treffens und versuchen alles, auch das nächste
Treffen so erlebnis- und lehrreich wie möglich zu gestalten.
Unser Dank gilt vor allem wieder den Kampfrichtern, die
durch ihren ehrenamtlichen Einsatz die Durchführung
der Veranstaltung erst ermöglichten. Organisatorisch
machte es sich sehr positiv bemerkbar, dass das Organisationsbüro
doppelt besetzt war. Durch die gemeinsame Arbeit von "alter"
und "neuer" Organisatoren-Riege, hatten letztere
die Möglichkeit ihren neuen Job so gut wie möglich
zu lernen. Vielen Dank noch einmal an den Gesamtleiter von
1989-2000 Jens Schönberg, Doris Wübbens die schon
seit 1980 vor allem die finanziellen Fäden in der Hand
hielt und es immer wieder geschafft hat alle in der Burg
unterzubringen sowie Jochen Friedrich der seit 1982 als
Hauptkampfrichter, aus seinen großen Klettererfahrungen
schöpfend, beispielsweise für die Auswahl der
Kletterwege sorgte und durch berüchtigte "Schlingen-und-Knoten
Stationen" manche Teilnehmer schier zur Verzweiflung
brachte.
1969 - 1979
Wie es begann "Das Treffen Junger Bergsteiger in
seinem ersten Jahrzehnt"
Herrliches
Herbstwetter und 86 begeisterte Kinder und Jugendliche -
das war das Fazit des 1. Treffens Junger Bergsteiger im
Oktober 1969 in Weißig auf der Kulm. Mit großem
persönlichem Einsatz hatte eine Gruppe aktiver Kletterer
um Werner Bonitz, Jürgen Rotzsche und Hans Pankotzsch
mutig ein Treffen auf die Beine gestellt, das den Teilnehmern
vielfältige Erlebnisse und Anregungen für Ihre
Kletterlaufbahn bieten sollte. Mit ihnen machten auch Mitglieder
des damaligen Leistungszentrums Alpinistik und sein Trainer
Volker Krause gemeinsame Klettertouren. Lichtbildervorträge
von Willi Häntschel, dem bekannten sächsischen
Erstbegeher, sowie Karl Däweritz, eine Gruppe des Bergsteigerchores
und ein Riesenlagerfeuer rundeten diesen ersten Versuch
ab.
Dabei sollte es nicht bleiben. Die begeisterte Zustimmung,
die gemeinsam entwickelten Ideen zu einem Klettervergleich
und die neu entstandenen Kontakte ließen die Wegbereiter
auch in den Folgejahren Treffen organisieren. Von Anfang
an schätzten alle die Möglichkeit, sich einmal
im Jahr in so großem Rahmen erlebnisreich mit Gleichgesinnten
zu treffen. Unter der Leitung der bekannten Alpinistin Christel
Gladun wurde ein Wettkampfmodus für die 10- bis 16jährigen
entwickelt, der dazu beitrug, dass die teilnehmenden Kinder
und Jugendlichen nach ihrer Zeit als Teilnehmer ringsum
gut ausgebildet ihre ersten eigenen Klettertouren angehen
konnten.
Sicher, der Wettkampf wurde ständig modifiziert, manche
Idee hat sich als Irrweg erwiesen. Die Quartierfrage konnte
1973 endlich langfristig geklärt werden - seitdem ist
die Jugendburg Hohnstein mit ihrer idealen Lage fast immer
Gastgeber gewesen. Aus insgesamt 52 Klubs kamen die 1700
Teilnehmer des Treffens in den ersten 10 Jahren. Das schöne
Wetter vom ersten Treffen blieb der Veranstaltung nicht
immer treu, deshalb wurde ab den 6. Treffen 1975 auf die
Schulferien im Frühjahr ausgewichen. Noch eine Neuerung
gab es in diesem Jahr: erstmals nahmen Tschechische Kinder
an unserem Treffen Teil. Toller Anreiz für die Hohnstein-Sieger:
Sie nahmen im Austausch dann an den tschechischen Jugend-Meisterschaften
im Bergsteigen teil.
So hatte sich das "Treffen" innerhalb weniger
Jahre schnell etabliert. Daß dessen Reiz nicht nachlässt,
zeigt heute die Teilnahme vieler Kletter-Kinder, deren Eltern
sich vor 25, 30 Jahren selbst als Teilnehmer beim Treffen
ihre ersten Sporen verdienten...
1980 - 1989
"Das Treffen in den Achzigern"
Mit dem Treffen Junger Bergsteiger in der DDR Endzeit gibt
es sicher so viele persönliche Erfahrungen wie Teilnehmer.
Das Treffen war zu einem festen Programmpunkt im Deutschen
Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf
(DWBO) geworden. Die konstant rund 200 Teilnehmer (Kapazitätsgrenzen
setzte die Bettenzahl der Burg) kamen aus vielen Berg- und
Flachlandgebieten der DDR: Thüringen, Harz, die starken
Berliner und Brandenburger Fraktionen, der Raum Halle?Leipzig?Zeitz,
Freiberg und Karl?Marx?Stadt, Zittauer Gebirge und nach
wie vor relativ wenig Dresdner Sektionen Die Anforderungen
an die Klettertechnische Ausbildung und die sportliche Kondition
waren gestiegen der Wettkampfgedanke rückte immer mehr
in den Vordergrund.
Durch
sportpolitischen Entscheidungen wurden ab 1986 nur noch
Veranstaltungen gefördert, die sich dem Spartakiadegedanken
unterordneten. Insofern war die Betonung des Leistungscharakters
und die erzwungene Umbenennung in "DDR?Bestenerrmittlung"
die einzige Möglichkeit, die Tradition weiterzuführen
und die wohltuenden Seiten der Veranstaltung zu erhalten.
Und die gab es ja durchaus. Eine Woche Zeit zum Klettern
(meist als bezahlte Freistellung), eine gesicherte finanzielle
Basis mit Jugendburg, Bustransporten und minimalen Startgeldern
sowie die Wiedersehensfreude mit 200 Gleichgesinnten ließen
manchen Kompromiß verkraften. Der Wettkampfmodus hatte
sich stabilisiert; die ersten Teilnehmer rückten nun
als Übungsleiter, Betreuer und Kampfrichter nach. Für
die meisten lag der Schwerpunkt auch in den Achtzigern im
Kennenlernen bei gemeinsamen Klettertouren, im Fachsimpeln
über schöne Wege und Vorhaben, in der Gemeinsamkeit
bei den vielfältigen Abendveranstaltungen.
Und doch: Das Org.Büro kam in die Jahre, wollte spätestens
das 89er Treffen in jüngere Hände geben. So kam
Ende der 80iger Jahre im fließenden Wechsel die überwiegend
jetzt noch tätige Organisatoren? Riege zum Zuge, die
nun ihre ersten Erfahrungen bei der Treffen? Organisation
und zeitgleich die "umwerfenden" Wendeturbulenzen
zu verkraften
hatten ...
Seit 1990
"Das dritte Jahrzehnt"
Mit dem Ende der DDR war natürlich auch die Zeit der
DDR-Bestenermittlung zu Ende. Wie nun weiter? Gibt es weiter
Interesse? Wer finanziert das alles? Welchen zeitlichen
Umfang könnte das Treffen haben? Eines war klar, demnächst
würden erst einmal kleinere Brötchen gebacken.
Das Motto der 1991/92 zunächst nur rund 80 Teilnehmer:
Zurück zu den Anfängen, also Begegnung statt Leistungssport.
Damit war der Name "Treffern Junger Bergsteiger"
wieder Programm.
Da
es keine Frühjahrsferien mehr gab, war schnell klar,
daß nur ein verlängertes Wochenende wie eben
um Christi Himmelfahrt in Frage kam. Damit war automatisch
die Begrenzung auf im wesentlichen zwei Wettkampftage gegeben.
Die Burg als Standort "wo sonst?" stand von vornherein
fest.
Auch für die Finanzen wurde eine Lösung gefunden.
Der Ausrichter hieß und heißt Deutscher Alpenverein
(DAV). Über unsere engagier Berliner (Heißer
Dank besonders an "Burki" Priemer) wurde Kontakt
zur Jugendorganisation des DAV hergestellt, die das Treffen
nach einiger Überzeugungsarbeit in ihren
zentralen Veranstaltungskalender - verbunden mit einer Grundfinanzierung
- aufnahm. Wenig später hatte der Jugendausschuß
des DAV mit Axel Görner und danach mit Ludwig Trojok
auch sächsische Mitglieder, die sich um alle Ausrichtungsformalitäten
kümmern. Sonst säßen wir heute alle nicht
hier.
Was ist nun inhaltlich neu bzw. übernommen?
Neu ist zum Beispiel die Ausweitung der Altersgrenze auf
26 Jahre, was das Engagement des JDAV mit sich brachte.
Allerdings absolviert die neue Altersklasse 18-26 Jahre
ein etwas anderes Programm als die jüngeren Teilnehmer.
Übernommen wurde die Idee, keine Einzelwertung vorzunehmen.
Der gesamte Wettkampf wird in Zweiermannschaften gewertet.
Das kommt: dem Normalfall des Kletterns in einer Seilschaft
viel näher als bei üblichen Wettkämpfen.
Eine Orientierungswanderung mit Stationen in den Wettkampf
einzubeziehen, hat sich ebenfalls bewährt.
Und nicht neu, aber immer von neuem schön ist das "Treffen".
Für viele ist das der eigentliche Kern der Sache. Ob
im Burgkeller beim Singen, im Saal beim Kulturwettstreit
oder im Garten beim Schwatzen. Menschen kennenlernen, Freunde
finden und wiedersehen, war ein ganz wesentlicher Bestandteil
der letzten Jahre. Das zeigen die stetig steigenden Tellnehmerzahlen,
die nun wieder nur durch die Bettenkapazität der Burg
begrenzt werden.
Nicht neu sind auch die Namen der prägenden Organisatoren
in diesem Jahrzehnt. Die haben die Turbulenzen der Wende
erfolgreich umschifft und das Treffen nun in (vorerst) sicheres
Fahrwasser geleitet. Demnächst wird das Team um Doris
Wübbens, Jens Schönberger und Jochen Friedrich
nun eine funktionierende Veranstaltung an die nächste
Generation übergeben, die das Treffen dann mit neuen
Ideen und viel Enthusiasmus ins vierte Jahrzehnt führen
wird.
Eine Geschichte
1976
war's Beim Treffen Jnger Bergsteiger. Ein ganzer Tag war
allein der Prüfung theoretischer und klettertechnischer
Kenntnisse vorbehalten. Dazu hatten wir uns zu einer bestimmten
Zeit am Falkenstein einzufinden. Damals noch fünf oder
sechs Leute pro Mannschaft an den einzelnen "Stationen"
griffen sich die Kampfrichter wahllos jemanden aus der Gruppe
heraus.
-Du legst jetzt mal ein paar Schlingen - ihr beide demonstriert
das Sichern am Ring - du kommst mit: zum Sanistützpunkt
- du zur Selbstrettung.
Letzteres war besonders gefürchtet, und jeder hoffte,
daß es ihn nicht treffen möge. Dann war unsere
Mannschaft dran. Jeder bekam seine Aufgaben. Ich mußte
mit Jens an den überhängenden Einstieg der Kotzwand.?
Nun gut:, eine Baustelle, ein Stück klettern? Das würden
wir ja wohl schaffen. Ich trampelte auf Jens' Schultern
herum, der schmerzlich das Gesicht verzog. Dabei brachte
ich damals mit 14 sicher nur die Hälfte meines heutigen
Gewichts auf sie Waage. Endlich hatte ich den Griff und
wollte schon munter weiterklettern, da hörte ich den
Kampfrichter: "Und jetzt loslassen!" ja, wie jetzt,
? loslassen..., dachte ich noch, da zog mir schon einer
die Füße vom Felsen weg und im gleichen Moment
baumelte ich, und drehte mich hilflos um meine eigene Achse.
Selbstrettung, schoss es mir durch den Kopf Was nun vor
Schreck?
Bereits nach wenigen Sekunden drückte mir die Schlinge,
mit der ich eingebunden war (denn an die tollen Sitzgurte
von heute war damals nicht zu denken!!) unter den Armen
die Adern ab. Das Blut schoss mir in den Kopf. Der Knoten
meiner Brustsicherung würgte an meinem Hals und nahm
mir die Luft. Gleich würden mir die Sinne schwinden!!!
Also schnell! Entnervt zerrte ich mir eine Schlinge von
der Schulter. Versuchte mit zitternden Händen einen
Prusikknoten ins Seil zu machen. Ins falsche, wie man mir
später sagte (Nämlich in mein Sicherungsseil).
Leierte den Strick irgendwie drumherum. Hing kraftlos da,
wie ein nasser Sack. Jens der später mal der Gesamtleiter
des "Treffens" sein würde, fuchtelte unten
mit den Armen. Ich nahm es nur noch schemenhaft wahr. Irgendwann
hatten die Kampfrichter mit mir Erbarmen. Bauten mich ab.
Ich sah noch, wie mir mein Mannschaftsleiter so einen: Wie-oft-haben?
wir? das? geübt? und? jetzt? -Blick" zuwarf, resigniert
abwinkte und wütend davon stapfte. Jahrzehnte danach
? inzwischen selber Mannschaftsleiter? werde ich mich manchmal
daran erinnern!!!
Esther Schmidt
Brief eines Kletterschülers an seine Oma
Liebe Omi,
vielen Dank für Deine reizende 10 Pfennig Postkarte.
Es stand zwar genau dasselbe drauf wie auf der, Groschenpostkarte
vom vorigen Monat. Ich habe sie aber trotzdem gewissenhaft
gelesen und sorgfältig aufbewahrt.
Heute habe ich Dir eine ganze Menge Neues zu schreiben.
Du weist es sicher noch nicht, was ich nämlich weiß:
Ich bin ein BERGSTEIGER geworden. Am letzten Sonntag war
schönes Wetter und mein Freund Seilfried und der Vater
von Seilfried und viele Männer mit einem mächtigen
Sack waren in dem Säch sischen Elbsandsteinscheizgebirge.
Du weißt es sicher, die Bergsteiger haben alle eine
mächtige Rucksackbeere wo sie die Padden, den Seilfitz,
verrostete Karabiner und Lumpen drin haben. Den größten
Teil nimmt jedoch das Mampfzeug ein. Manche lassen das Essenzeug
gleich zu Hause, weil sie wissen, daß die anderen
sicher etwas mithaben. Man nennt so etwas Bergfreundschaft.
Übrigens ist die Bergfreundschaft eine prima Sache.
So hat am Sonntag Geilhold die erste sex am Mädel gemacht
und danach jede Menge Böhmisch? Brauhaus Vollbier spendiert.
Bei der Jungfer war deshalb Geilhold's Riemen runter und
den Rest des Tages begnügte er sich mit dem Eunuch.
Jaja
liebe Oma, ich habe das Wochenende viel gelernt. Ich bin
das erste Mal in meinem Leben gestiegen. Es war eine schwere
"Eins". Ich mu3te höllisch aufpassen, daß
ich nicht in den breiten Schlitz hineinrutschte. Die Bergsteiger
nennen so etwas Kamin. Kamin ist die Abkürzung von
"Klettern artete manchmal in Nurtreppensteigen aus".
Oben, ?Fast auf dem Gipfel, brach mir denn ein Bombengriff
aus.
Keine Angst, Oma? ich habe die Natur des Felsens nicht verändert.
Der Bombengriff war mein Vorsteiger, den ich vom Gipfel
zerrte. Zum Glück war mein Vorsteiger eher unten als
ich, so daß ich nicht sehr hart fiel. Obwohl wir die
Wirbelsäule nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen
schienten, mußten wir unseren armen Bergfreund zur
ewigen Ruhe geleiten. Sein letzter Weg war der Kamin des
Grabeloches, wo wir ihn mit Hilfe vierer Kletterkumpels
abseilten. Als er unten war, hat er nicht einmal laut und
deutlich "Seil frei" gerufen, deshalb haben wir
ihn dort unten liegen gelassen.
Zur Beerdigung hatte ich eine Freistellung von der Schule
und die Älteren von der Arbeitsstelle bekommen. Da
das Einbuddeln schon um 7:30 Uhr stattfand, waren wir um
9:47 Uhr schon wieder im Seil eingefitzt. Diesmal durfte
ich vorsteigen. Es gab dabei keinen Toten aber einen Sack.
Der Grund war ? ich hatte den Statisten mit dem Langen Israel
verwechselt. Aber das ist schon öfter vorgekommen.
So gehöre ich nicht mehr zu den Sacklosen.
Anschließend haben wir eine Schlinge aus dem Rucksack
geholt und sie als Schlips umgebunden, damit wir auf der
Promenade stolzieren konnten. Die trenddeutschen "Aus?
dem? Auto? in? die? Kneipe'? Geher hielten uns für
die neusten Modeschöpfer.
Unsere Schlipse haben wir für 20 bis 50 DM das Stück
verkauft, so daß wir zuletzt Ringbert's neues Seil
auch noch opfern mußten und in 40 Teile a 1 Meter
zerschnitten. Oma, ich sage Dir, alles was 6 bis 12 mm stark
und aus Dresden ist, wird Engpaß. Geh noch heute ins
Sport? Geschäft und kaufe ein Kletterseil und diverse
Schlingen! Karabiner und Padden gibts sowieso nicht.
Das wird ein Bombengeschäft, wenn ich die Strippe und
die Schlingen mit 500% Gewinn weiterverkaufe.
In der Hoffnung, daß Du mir den Strick kaufst, grüßt
Dein Dich innigliebender Kaminhardt.
PS.: Wenn es Padden und Karabiner doch geben sollte kannst
Du ruhig welche mitbringen, liebe Oma.
Herbst 1972 Königstein
Erste Begehung (Aufzeichnungen aus meinem Bergfahrtenbuch)
"...da
noch Mannschaftsbetreuer gebraucht wurden und ich die nächsten
Tage frei hatte, machte ich bei Einheit Krippen mit.
Sonntag früh ging es mit dem Sonderbus ins Bielatal.
An der Ottomühle war alles weiß von etwas Neuschnee.
Wir sahen erst eine Vorführung des Bergrettungsdienstes,
dann ging es zum Klettern. Alle vier Mannschaftsteilnehmer
mussten insgesamt drei Wege der Schwierigkeit III oder IV
klettern, um die volle Punktzahl zu erreichen. Ab Mittag
fing es an zu regnen, so daß wir den letzten Weg schon
im Regen fertig kletterten. Da das Abholen mit dem Sonderbus
nicht richtig klappte fuhren wir mit dem" total überfüllten
Linienbus nach Königstein zurück.
Abendbrot gab es in der Jugendherberge, dem heutigen Naturfreundehaus
auf der Burg Hohnstein. Dort gab es nicht genügend
Betten, also schliefen einige Gruppen im Landschulheim.
Abends kochten wir uns dann einen großen Topf Tee
und saßen in gemütlicher Runde zusammen.
Am Montag war wegen des schlechten Wetters Kletterverbot.
Wir fuhren mit dem Zug nach Rathen und wanderten am Talwächter
und Lilienstein vorbei zurück nach Königstein-Albestadt.
Abends war dann Bergfilmabend. Am nächsten Tag war
früh ein Crosslauf und anschließend die Überprüfung
am Pfaffenstein. Nach einem Diavortrag und einer gemütlichen
Abschlussfeier klang das Treffen aus...".
Während dieser Tage lernte ich Birgit kennen. Zu den
beiden ersten Treffen war sie Teilnehmerin und nun in Königstein
als Übungsleiterin mit ihrer Gruppe dabei.
Später heirateten wir und sind, inzwischen als vierköpfiges
Team, immer noch beim Treffen als Kampfrichter bzw. Wettkämpfer
dabei.
Michael Großer
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